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Die Schlacht von Colombey am 14. August 1870
(Ausführungen von Malte Freymuth)
Die allgemeine Lage
Nach der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli 1870 wird allgemein erwartet, dass die erfolgreiche französische Berufsarmee nach ihren Siegen in Mexiko, Nordafrika, China, auf der Krim und in Oberitalien als erste aufmarschiert sein wird und den Feldzug eröffnet. Aber mangelhafte Vorbereitung lässt den Aufmarsch in einem Chaos enden, die Deutschen beenden die Mobilisierung zuerst und reißen die Initiative an sich. Zum Erstaunen Europas marschieren die Deutschen Anfang August in Frankreich ein und schlagen ihren Gegner in den drei Grenzschlachten von Weißenburg und von Wörth im nördlichen Elsass sowie von Spichern in Lothringen. Nach diesen verlorenen Schlachten ziehen die Franzosen ihre Truppen aus dem Elsass ab und versammeln sie bei Reims. Die in Lothringen in Teilen geschlagene sogenannte „Rheinarmee“ zieht sich langsam auf die Festung Metz zurück. Doch diese Bewegungen werden den Deutschen so klar nicht erkennbar. Zwar klären vor ihren drei Armeen starke Kavallerieverbände auf, doch mit Ausnahme der großen Truppenansammlungen bei Metz findet die deutsche Kavallerie den weiten Raum bis jenseits der Mosel feindfrei. Nichts verrät die Absicht der Franzosen: Wollen sich die bei Metz stehenden Truppen, im Rücken durch die Festung gedeckt, plötzlich und mit Übermacht auf eine der heranrückenden deutschen Armeen werfen? Dann ist größte Vorsicht geboten. Oder wollen sie ins Landesinnere ausweichen, sich mit der anderen Armee vereinigen und erst dann die Schlacht annehmen? Dann wäre kühnes und rasches Nachstoßen geboten, damit der weichende Feind keine Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung gewinnt.
Die Verantwortung für den Entschluss lastet schwer auf Moltke. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich die die ruhmreiche französische Armee nach Innerfrankreich zurückziehen wird. Sie wird schlagen. Also tasten sich die drei deutschen Armeen, von Moltke durch eindeutige Befehle mühsam auf gleicher Höhe gehalten, vorsichtig nach Frankreich hinein.
Die Franzosen fassen schließlich den Entschluss, die Festung Metz als Wellenbrecher im deutschen Vormarsch stehen zu lassen, mit der Rheinarmee selbst aber weit ins Landesinnere auszuweichen. Aber wie bei der Mobilmachung sind die französischen Stäbe ihrer Aufgabe nicht gewachsen: die Marschplanung mit dem Übergang vieler Zehntausender über die Mosel und der Aufstieg auf die Steilhänge am jenseitigen Flussufer misslingt. Am Mittag des 14. August stehen noch immer endlose Kolonnen in der völlig überfüllten Stadt.
Östlich Metz ist die deutsche 1. Armee des Generals v. Steinmetz dicht an die Franzosen herangerückt. V. Steinmetz hat den Kommandierenden Generalen seiner drei Armeekorps und den Kommandeuren seiner beiden Kavalleriedivisionen eindeutig befohlen, in der Defensive zu verharren und sich keineswegs in Angriffe hineinziehen zu lassen. Nicht ohne Grund: Moltke hatte es so befohlen. Es soll vermieden werden, dass die 1. Armee frühzeitig mit den Franzosen bei Metz handgemein wird, bevor die südlich anschließende 2. Armee Hilfe leisten könnte. Die Kommandierenden Generale und die Divisionskommandeure haben den Armeebefehl weitergegeben, so dass alle Brigadekommandeure unterrichtet sind. Eigentlich kann nichts Unvorhergesehenes geschehen. Weit vorn in der Armee ist aber Generalmajor v. der Goltz mit der Avantgarde eingesetzt, und dieser bemerkt am 14. August nachmittags Marschbewegungen beim Gegner. Vielleicht wollen die Franzosen abrücken? Undenkbar, sie dann ungeschoren davonziehen zu lassen. Falls v. der Goltz richtig deutet, was er sieht und was ihm gemeldet wird, so ist eine neue Lage entstanden. Gelten nun die zügelnden Befehle der Armee noch?
Da ein Nachfragen über die Instanzen und das Erhalten einer Antwort zu viel Zeit kosten würde, entschließt sich v. der Goltz zum selbständigen Handeln und greift mit seiner Brigade an – entgegen der ihm bekannten und klaren Befehle. Immerhin vermerkt die amtliche Darstellung im Generalstabswerk, dass der Angriff mit der resultierenden Verzögerung der feindlichen Rückzugsbewegung „nach den allgemeinen Kriegsregeln gerechtfertigt und durch die damalige strategische Lage sogar geboten“ gewesen sei. Carl Bleibtreu gibt sich kritischer und behauptet das Gegenteil: das Vorgehen v. der Goltz sei „in heißem Ehrgeiz alle Bande des Gehorsams überspringend und in blindem Eifer widersetzlich“, der Angriff habe den schleppenden Abzug der Franzosen durch Metz letzten Endes beschleunigt. Prinz Friedrich Karl verlangte sogar in heller Empörung, dass v. der Goltz vor ein Kriegsgericht gestellt werde.
Die Beteiligung der 7. Jäger
Zur Vorhut des Generalmajors v. der Goltz gehörten die 26. Infanteriebrigade (bestehend aus dem 2. Westfälischen Infanterieregiment Nr. 15 und dem Hannoverschen Füsilierregiment Nr. 73), das Husarenregiment Nr. 8, die 3. Fuß-Abtheilung des Westfälischen Feldartillerieregiments Nr. 7 und das Jägerbataillon Nr. 7. Nachmittags brachen diese Truppenteile aus dem Lager bei Ars-Laquenexy auf. General v. der Goltz beabsichtigte zunächst nur, den Abschnitt von Colombey in Besitz zu nehmen und ließ seine Truppen folgendermaßen vorgehen:
Ein Teil der Infanterie und ein Teil der Artillerie rückten aus südlicher Richtung gegen das Schloss Aubigny vor. Links davon marschierten die 7. Jäger über Ars-Laquenexy auf Colombey, während die 8. Husaren die rechte Flanke sicherten und später die Artilleriebedeckung übernahmen. In zweiter Linie folgte der Rest der Vorhut. Zwischen Aubigny und Coincy stießen die vordersten Husarenzüge auf eine feindliche Schwadron, welche zu feuern begann und dann schnell hinter die von französischer Infanterie besetzten Gebüsche zurückwich. Gegen diese und Schloss Aubigny entwickelte sich um 16 Uhr das 1. Bataillon. In der Front mit einer wirkungslosen Salve empfangen, ließ Major Bergius das Schloss durch die 4. Kompanie südlich umgehen, worauf der Gegner schleunigst auf Colombey abzog, verfolgt durch einige wohlgezielte Schüsse der 5. leichten Batterie, welche um diese Zeit nördlich von Marsilly (östlich Ars-Laquenexy eingetroffen war.
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